Mein Berufswunsch …, schwierig! Eigentlich weiß ich heute noch nicht so richtig, was ich will, bzw. was ich kann. Mehr dazu im letzten Abschnitt, denn jetzt folgen erst einmal meine damaligen Visionen.

Pilotin und Fluglotsin

Wer war schuld? Mein Vater. Ähnlich wie er, konnte ich Stunden damit zubringen, am Rollfeld (damals noch am Flughafen Düsseldorf) zuzuschauen, wie Flugzeuge starten oder landen. Habe mich in ferne Länder gebeamt, an Strände und in Städte, die ich entdeckt habe. Sah mich schon im Ausbildungszentrum in Phoenix/Arizona sitzen und Boeings über die amerikanische Wüste steuern.

Meine vermeintliche Liebe zu dem Beruf ging sogar so weit, dass meine Eltern mich im Alter von etwa 15 Jahren zu einer Untersuchung im Uniklinikum Essen angemeldet haben, bei einem Professor der Endokrinologie. Dort konnte man feststellen, ob ich das vorgeschriebene Mindestmaß von 166 cm tatsächlich erreichen werde.

Was soll ich sagen, es war eine knappe Kiste, aber man hat es mir bestätigt. Und um es vorwegzunehmen: Das ist die Körpergröße, die ich gerade so mit Ach und Krach erreicht habe.

Genützt hat es mir nix, denn nach der Untersuchung, die ein Vermögen gekostet haben muss, wurde der Berufswunsch allmählich schwächer.

Während der Oberstufe habe ich ein Praktikum in der Flugsicherung am Flughafen Düsseldorf gemacht, konnte damals sogar ins Cockpit einer Boeing 747, die wir zuvor vom Rollfeld aus beim Landen beobachtet hatten. In der Flugsicherung zu arbeiten, ist ein mega anspruchsvoller Job, die erforderliche Konzentration erfordert Höchstleistungen vom Kopf. Da man aber wenig mit Flugzeugen selbst zu tun hat, verlor ich den Berufswunsch aus den Augen.

Flugzeuge faszinieren mich immer noch sehr: Bei nahezu jedem Flugobjekt am Himmel hebe ich meinen Blick und verfolge es. Ich wohne jetzt und werde wieder unter einer Einflugschneise des Flughafens Wien wohnen. Die Faszination ist größer als die Belastung durch Lärm.
Und viele Jahre bin ich mit meinem Vater, der eine Pilotenlizenz hatte, mit dem Motor-/Segelflugzeug quer über Deutschland geflogen, durfte es selbst lenken.

Papa und ich im Motorsegler in Vechta
Mit Papa beim Check vor dem Flug von und bis Vechta/Deutschland

1977 durfte ich sogar einen Rundflug mit einer Cessna über die Bong Mining Company – dort arbeitete mein Vater zeitweise – und den Urwald in Liberia machen (als es dort noch keinen Bürgerkrieg gab).
Zum Geburtstag bekam ich einmal einen Helikopterflug über Wien geschenkt. Wien von oben: auch ein Traum!

Mein größter Wunsch: einmal mit einem Airbus A380 zu fliegen, am liebsten nach Singapore und dort zwei Wochen Urlaub machen. Inklusive Fotografieren bis zum Abwinken.

Danach kam eine lange Zeit nichts, ich hatte keine Vorstellungen, was ich nach dem Abi machen sollte. Geändert hat es sich erst, als mein Vater Diabetes bekam, seine Ernährung umstellen und auch meine Mutter in ihrer Küche die notwendigen Anpassungen vornehmen musste. Es folgte also der Berufswunsch der …

Diätassistentin

Das stellte ich mit wirklich sehr spannend vor, Menschen zu erklären, was sie essen sollten, damit sie gesund blieben.

Es folgten zwei heftige Ernüchterungen:

Ein Wochen-Praktikum in der Küche des St. Anna Krankenhauses in Duisburg-Huckingen, in der Diätabteilung. Ein großer Teil meines Tagesablaufes bestand darin, Petersilie zu hacken. Kein Scherz, wannenweise! Und das Schlimmste war nicht einmal das Hacken der Petersilie, nein, es war die Erkenntnis, dass die Petersilie das frischeste war, was die Patienten auf ihrem Tablett hatten. Denn es gab nicht etwa frisches Obst als Dessert, sondern irgendeine undefinierbare Puddingmasse oder aber Pfirsiche aus 10kg-Dosen. Echt jetzt? Als Diät für Kranke? Mir wurde immer bewusster, dass das wohl nicht mein Weg war. Leider gab es damals noch nicht die Möglichkeiten, sich besser über Berufe zu informieren, denn ich bin sicher, der Job hätte mir heute viel Spaß gemacht, mit den Möglichkeiten eines Blogs und Kurse übers Internet anzubieten etc.

Ich habe mich dennoch für eine Aufnahmeprüfung am Klinikum Essen (ja, wieder dort) beworben, bin aber kläglich gescheitert.
Woran es gelegen hat? Ich konnte Schoko-Puddingpulver nicht zu einem klümpchenfreiem Pudding verarbeiten (ja, hätte ich gewusst, dass das in Kliniken Standard ist … Zu Hause gab es ja immer nur allerfeinstes Mousse au Chocolat, das hätte ich gekonnt! Aus dem Effeff!). Und ich konnte das Periodensystem der Elemente nicht erklären. Witzigerweise brauchte ich das für meine spätere Aufnahmeprüfung im pharmazeutischen Bereich nicht mehr.

Was mir geblieben ist? Der Wunsch, mich selbst gesund zu ernähren, um möglichst mein Leben lang auf die Einnahme von Medikamenten verzichten zu können. Ich lese viel zu dem Thema und haben ja nun auch einen Beruf gefunden, in dem ich mein Wissen zumindest teilweise anwenden kann.

Ärztin oder Juristin

… wollte ich übrigens nie werden.
Nicht, weil ich mir die Jobs nicht wirklich toll vorgestellt habe. Im Gegenteil, oft genug habe ich mir ausgemalt, wie ich mit wehendem weißem Kittel über Krankenhausflure eilte und Menschenleben rettete. Oder wie ich als Vorsitzende eines Gerichtes für Recht und Ordnung sorgte. Tatsächlich habe ich nämlich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und wäre zumindest als Anwältin grandios gescheitert. Ich hätte mich nie dem Unrecht verschreiben können, sondern immer nur dem Recht. Wobei das relativ und Ansichtssache ist, das ist mir klar.

Aber: Ich habe es mir einfach nicht zugetraut. Ich dachte, ich KANN es nicht, Medizin oder Jura zu studieren. Die Fehleinschätzung meiner Fähigkeiten hat sich über Jahrzehnte gezogen und auch heute noch ertappe ich mich immer wieder bei den Gedanken „Bin ich dafür wirklich gut genug?“, „Kann ich das überhaupt, werden die Leute nicht merken, dass ich keine Expertin bin?“.

Heute weiß ich, dass ich auch ein Medizinstudium geschafft hätte – wenn ich auch mit meinem Abischnitt 12 Jahre auf die Zulassung hätte warten müssen 🙈.
Ich weiß, dass ich nahezu jede Ausbildung geschafft hätte, wenn ich es mir WIRKLICH gewünscht und mit dem notwendigen Feuer unterm Hintern durchgezogen hätte. Das BWL-Studium hat schließlich auch geklappt.

Mein fehlendes Selbstvertrauen hat mir in meinem Leben viele Striche durch meine Rechnungen gemacht. Dennoch bin ich dort froh, wo ich bin. Ich betreibe meine sehr vielseitige Selbstständigkeit mit Leidenschaft und lerne jeden Tag dazu.
Und ich habe meinem Sohn mitgegeben, dass er alles schaffen kann, was er sich vornimmt, für seinen Job (und für sein Leben), wenn er es nur wirklich will.

Mehr über meinen Werdegang liest du übrigens in meiner Über mich-Rubrik oder auch hier: