Mein Dezember 2025: Adventskalender ohne Schokolade, dafür mit viel Know-how, Nebelschwaden bis zum Abwinken (verbunden mit grässlichen Frisuren, Schnittlauchlocken und Hängepony), Adventskaffee (ohne Kaffee, dafür mit alkoholfreiem Punschtee) und Freundinnen, die Suche nach einer guten Zukunftsperspektive, abgesagte Eigentümerversammlungen, Besuch vom Lieblingssohn zu Weihnachten und ganz viel Arbeit, deren Lohn ich mit ins nächste Jahr trage.
Versöhnung mit dem Jahr 2025? Ja, könnte sein.

Illegal oder was?

Zunächst war da noch die Sache mit dem Führerscheinumtausch einer im EWR ansässigen Deutschen mit Wohnsitz in Österreich (seit nunmehr fast 16 Jahren). Die für mich zuständige Fahrerlaubnisbehörde (allein die Wortschöpfung verdient doch schon einen Preis) ist das BMI. Als ich mir ganz fix mal eben einen Termin für den Umtausch machen wollte, erfuhr ich, dass ich neben 7 (Sieben! Für einen Führerscheinumtausch!) weiteren Dokumenten auch eine Anmeldebescheinigung benötige.
Anmeldebescheinigung? Was ist das wieder?
Nicht etwa der Meldebescheid, den ich in diesem Jahre bereits sechsmal herunterlud, immer mit 16 € Gebühren verbunden (ja, auch wenn man ihn selbst online ausdruckt und die Arbeit des zuständigen Amtes macht).
Nein, dieses Formular hätte ich bis drei Monate nach meiner Einreise im Jahr 2010 beantragen müssen, sprich bis Mai 2010. Ups. Mein Ex-Mann war zu der Zeit als Expat aus Deutschland entsandt, und ein solches Vorgehen wurde uns weder damals nahegelegt noch wurde ich jemals in Österreich auf diese Bescheinigung angesprochen. Weder beim Hausbau noch bei der Gewerbeanmeldung, beim Kaufen von Kfz oder Wohnung oder beim Eintritt in die Krankenversicherung.
Jetzt, nach 16 Jahren in diesem Land, wird sie verlangt.
Was machte also die brave Bürgerin? Sie meldete sich beim Amt und hoffte, dass sie nicht als Illegale ausgewiesen wird. Es gibt Politiker in A, denen traue ich das durchaus zu.

Altbaucharme (endlich! konnte ich das Wort mal einbauen 🤣) bei der MA35 in der Karmelitergasse

Und ein Update: 🙂

Und noch ein Update: Für meine „Verfehlung“ flatterte mir eine Strafverfügung ins Haus. Die Basis: Unionsrecht. Allerdings hat Österreich da offensichtlich ein anderes Unionsrecht als z. B. Deutschland, denn ein österreichischer Staatsbürger benötigt in Deutschland keinen Aufenthaltstitel. Da gilt merkwürdigerweise die EU-Freizügigkeit.

Advent, Advent …

Hier – ganz im Osten Österreichs – ist es im Dezember nachmittags um 16 Uhr dunkel. Für jemanden wie mich, ein Sommerkind mit Neigung zu depressiven Verstimmungen bei Dunkelheit, Regen und Wind, ist das echt eine Strafe. Im wahrsten Sinne ein Lichtblick waren meine vorabendlichen Runden durch die adventlich geschmückten Häuser und Gärten. Dezente Lichterkette (bei mir), Schneeflocken-Projektionen und schrill-buntes Inferno wie in den „schlimmsten“ Hollywood-Filmen feierten fröhliches Miteinander. Ich liebte es und ging immer mit einem breiten Grinsen durch die Straßen.

Bunte Lichterketten am Abend
Lichterkette

Und dann das Gefühl, als ich eines Morgens die Jalousien hochfuhr und am Himmel zeigten sich wunderschöne, von der Sonne angestrahlte rosa Wolken. Das fühlte sich so an wie das erste Mal am Meer – Lungen und Arme ganz weit …

Kleiner Dämpfer: Am 16. Dezember erschien diese Auswertung der bisherigen Sonnenschein-Stunden in Österreich. Schau mal ganz rechts, dort, wo ich wohne: minus 90 %. Also doch nicht eingebildet, es war und ist wirklich so dunkel hier, nicht nur in meiner Seele. 😢

Linz hatte übrigens noch gar keine Sonne im Dezember.

Mein neues Hobby

… Flugblattshopping.

In Österreich sind die Lebensmittel 25 % teurer als in Deutschland. 😱
Mein Lösungsansatz: Mehrfach pro Woche bekomme ich ‚das Kuvert‘, eine Mappe mit Werbeflyern verschiedener Märkte wie Billa, Hofer, Spar und Lagerhaus. Und jede Woche setze ich mich mit Zettel und Bleistift bewaffnet hin und suche mir Angebote zu Obst, Gemüse und Milchprodukten heraus. Manchmal etwas herausfordernd, die daraus resultierenden Einkäufe in Speisen umzuwandeln, aber die Kreativität siegt. So schaut man dann auch mal über den Tellerrand hinweg und gerade im Winter bin ich glücklich über Sellerie-, Rote Beete- oder Weißkohlsalat. Viel Vitamin C und allerlei weitere Gesunderhalter.

Aufkleber am Briefkasten mit Bitte um Flugblatteinwurf

Tatsächlich … Liebe!

Und dann, in der Nacht vom 14. auf den 15. war es so weit: Zwar hab’ ich den größten Teil des Films verschlafen, aber die Schlüsselszenen durfte ich verfolgen.

Und „Liebe braucht keine Ferien“ zog auch durch mein Wohnzimmer: Ich konnte mit Jude Law ein paar Tränchen verdrücken. So muss Vorweihnachtszeit!

Am 4. Advent

… rief uns noch ein Weihnachtsmarkt, ein Geheimtipp im Francis, so geheim, dass kaum jemand dort war. Dafür klasse fotogene Architektur mit Spiegeleffekten. Und der süßeste und geschmackloseste Kinderpunsch des Jahres wurde mit den besten Trüffelpommes seit Dekaden aufgewogen, ein versöhnlicher Abschluss.

Alle Jahre wieder

… gab es in meinem Leben am Heiligabend, also am 24. Dezember, Geschenkeauspacken, Bescherung. Einfach Tradition.

Und ich musste wirklich 60 Jahre alt werden, um mit dieser Regel zu brechen. Heuer war die Bescherung nach dem Frühstück am Boxing Day, also am ersten Feiertag. War auch sehr nett. 🌲🕯️🎁

Aber mein schönstes Geschenk wurde nicht ausgepackt: Das war der Besuch meines Sohnes vom 23. bis 26. Dezember, bevor es ihn weiter nach Bulgarien zog.

Achja, und was gab es dieses Jahr nach 28 Jahren wieder am Heiligabend für und in Wien? Schnee. Morgens am 24. war es weiß. 🌨️ Ein bisschen.

Dann kam Erika

Ein lebensgroßes rosa Plüschschwein, verpackt in einer Geschichte von Elke Heidenreich und ein bezauberndes (im wahrsten Sinne) Wesen, obwohl es ‚nur‘ ein Stoffschwein war. Manchmal haben die Dinge ja Kräfte, die man ihnen nicht ansieht. Neugierig? Kaufen! So lieb!

Funny Frisch – ganz umsonst

Tradition zwei: In meiner Kindheit kamen viele Jahre lang an jedem 1. Weihnachtstag Freunde von uns zum Kaffee und Abendessen, glücklicherweise mit einer Tochter in meinem Alter. Mit ihr verkroch ich mich immer unmittelbar nach der Torte in mein Zimmer, wir beide jeweils ausgerüstet mit einem zu Weihnachten geschenkten Buch und einer großen Türe Chips ungarisch. Erst zum Abendessen tauchten wir wieder auf, mit zwei „leeren“ Büchern und einer ebensolchen Tüte.

Daran erinnerte ich mich letzte Woche, als ich im Lagerhaus Großenzersdorf auf der Suche nach Einweckgläsern war und über einen Promo-Stand mit Funny Frisch stolperte.
2 für 1, mega Angebot!
Ich schlug zu und nahm mir vor, dass zumindest eine der Tüten zu Weihnachten dran glauben müsste.

Tja, es blieb bei dem Vorsatz, ich blieb standhaft. Fragt sich nur, wie lange. [EDIT: Es ist der 2. Januar 2026 und beide Tüten sind noch geschlossen.]

Am 26. abends

… kutschierte ich meinen Sohn wieder zum Flughafen, er brach auf nach Sofia, wo er den Jahreswechsel mit einem Freund verbringen will. Ursprünglich war Skifahren angedacht, aber mangels Schnee switchten die beiden zumindest gedanklich zum Reiten.
Mein Sohn kann weder das eine noch das andere, ich war also im Alarmmodus, passiert ist aber nix.

Wech damit

Was sagt es über mich aus, dass mich am 27. morgens noch vor 9 Uhr der Koller packte und ich schon um 10 Uhr meine Weihnachtsdeko wieder im Schrank hatte? Draußen begann der Tag mit einem wunderschönen Sonnenaufgang, und jegliche Weihnachtsstimmung war wie fortgestürmt. Die Lichterketten und auch Winterliches durften bleiben, der Rest wartet bereits im Kasten auf das nächste Jahr. Man muss seinen Zwängen nachgeben.

Und weil ich gerade so im Flow war und draußen ein paar Grad Minus herrschten, musste auch noch mein Gefrierschrank dran glauben. Bye-bye Eisschicht! Was man mit einem Föhn und einem Teigschaber alles anstellen kann …

Vier Maschinen Wäsche seit Heiligabend (siehe oben: Mein Sohn war zu Besuch!) später sind zwar meine Wäschesammler leer, mein schlechtes Gewissen aber angesichts dieses Posts umso größer:

Wie übersteht man Silvester?

Silvester ist solch ein Tag, an den viele unglaubliche Erwartungen haben: tolle Party, viel Alkohol, Böller bis zum Abwinken, Krach, Radau …

Ich bin immer froh, wenn diese Nacht vorüber ist. Ich mag die Kracher nicht, mich nerven die schlechte Luft nach dem Feuerwerk und die Abfallberge überall, und vor allem die Tiere tun mir von Herzen leid. Vor allem mag ich nicht bis 24 Uhr aufbleiben müssen …

Wie gut, wenn man dann den Abend mit lieben Menschen bei feinstem Raclette und alk-freiem Prosecco verbringen, sich aber dann nach dem Essen geschwind in seine Gemächer zurückziehen darf. Um in aller Ruhe (naja!) den Countdown und das Spektakel zu ignorieren.

Süßsaures Mitbringsel

Auf geht’s ins nächste Jahr. Es kann in vieler Hinsicht nur besser werden.

PS: Und dann schafft es mein Kaminkehrer-Shooting-Foto noch als Silvestergruß auf Insta 😍

HAPPY NEW YEAR!

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Wer schreibt hier?

Ich bin Ulrike, Wahlwienerin mit deutschem Migrationsvordergrund mitten in meinem schönsten Lebensabschnitt. Als Bloggerin, Medizin-Redakteurin, Texterin, Copywriterin, Korrekturleserin, Community-Managerin liebe ich das selbst-geschriebene Wort. Und als Hobby-Fotografin reise ich gerne, bin aber genauso gerne daheim, wo ich es mir immer recht gemütlich mache und mein Leben genieße.