Ich gebe es gleich zu: Ich bin eine von denen.
Eine von denen, die die Buchhaltung des Vorjahres am 2. Januar abgeben – mit rosa Schleife.
Eine von denen, die die Tomatenpflanzen nach draußen setzen, wenn noch Frost angesagt ist. Oder die Dahlien im März pflanzen. Die den Koffer gerne schon eine Woche vor dem Urlaub packen. Und Einkaufslisten für freitags bereits am Montag beginnen. Monatsrückblicke schon am 1. anlegen und als Tagebuch führen.
Ich bin Prekrastinator. Nein, kein Tippfehler. [Die Autokorrektur kennt das Wort auch nicht und will mir immer das „richtige“ Wort unterjubeln …]

Prekrastinator? Prokrastinator?

Was sich anhört wie eine ernsthafte Halskrankheit, spielt sich für viele nicht unter dem Kopf, sondern mittendrin ab.
Denn während die Welt sich über die Prokrastinierer amüsiert – jene ‚charmanten‘ Lebenskünstler, die erst unter höchstem Zeitdruck zu absoluter Höchstform auflaufen und dann plötzlich in einer Nacht ein ganzes Projekt aus dem Boden stampfen – werden wir Prekrastinatoren oft nur müde belächelt. Dabei haben wir unsere ganz eigenen Macken. Und Vorteile. Und Ticks.

Prekrastination – der frühe Vogel mit Nervenschwäche

Prekrastination ist das innere Bedürfnis, Dinge sofort zu erledigen. Nicht morgen, nicht später, nicht nach dem Kaffee – jetzt. Ich bekomme eine Aufgabe, und mein Gehirn schreit: „Angreifen! Erledigen! Dann ist Ruhe!“ Und so arbeite ich los. Schnell, effizient – und leider manchmal auch gänzlich unüberlegt. Denn wer zu schnell startet, läuft auch Gefahr, in die falsche Richtung zu rennen.

Ich habe schon Aufgaben doppelt gemacht, weil sich die Anforderungen geändert haben – nachdem ich sie innerhalb von zehn Minuten abgegeben hatte. Ich habe To-do-Listen abgearbeitet, bevor sie jemand anderes überhaupt geschrieben hatte. (Ok, das ist leicht übertrieben.)
Warum? Weil es inneren Frieden bringt. Kurzzeitig. Bis zur nächsten Aufgabe.

Prokrastination – die Kunst des kreativen Aufschiebens

Und dann gibt es sie: die Prokrastinierer. Diese Menschen, die zehn Tabs geöffnet haben, um in aller Seelenruhe eine Info zu suchen. Die beim Wort Deadline nicht in Panik verfallen, sondern sich erst einmal einen Kaffee machen. Und sich dann in Pinterest verlieren. Oder auf Netflix daddeln.
Aber, und das muss man ihnen lassen: Wenn sie dann mal loslegen, liefern sie oft brillante Ergebnisse. Unter Druck entstehen eben nicht nur Diamanten, sondern auch ganz passable Arbeiten.

Ich beneide sie manchmal. Um ihre scheinbare Gelassenheit. Um ihre Fähigkeit, Dinge auf den letzten Drücker zu erledigen – und das ohne Nervenzusammenbruch. Während ich nachts wach liege, weil ich weiß, was ich für den Urlaub in 4 Wochen noch alles vorbereiten muss, schlafen sie seelenruhig – obwohl ihr Flugzeug morgen früh um 6 Uhr abhebt. Und sie noch zwei Stunden Fahrt vor sich haben.

Pre vs. Pro – der ewige Kampf

Vor- und Nachteile haben sie beide. Macken und Ticks auch.

Prokrastinierer haben oft kreative Durchbrüche, weil sie Aufgaben innerlich lange durchkauen – ob bewusst oder aus Panik sei dahingestellt.
Sie sitzen Aufgaben und Dinge erfolgreich aus und oft erledigen sich diese ganz von selbst.

Prekrastinierer hingegen sind die Planer, die Macher, die „Ich hab’ das schon erledigt“-Menschen, die Gruppenarbeiten retten und Amazon-Rezensionen schreiben, noch bevor das Paket da ist. (Nein, das tue ich nicht, weil mir Rezensionen – zumindest wenn ich sie schreiben muss – ein Graus sind.)
Aber sie zahlen auch einen Preis: ständiger Handlungsdruck, ineffiziente Schnellschüsse, das nagende Gefühl, nie wirklich „fertig“ zu sein – weil man immer sofort loslegt und nie innehält.

Mein Fazit? Ich bin Pre. Isso.

Ja, ich bin Pre. Eindeutig. Isso. Aber es ist mir auch deswegen noch nichts Ernsthaftes zugestoßen. Ich habe diesen Artikel übrigens geschrieben, bevor du überhaupt danach gefragt hast. Vielleicht ist das verrückt. Vielleicht ist das auch meine Art, mit der Welt klarzukommen. Jedem seine kleine Schrulle!

Aber: Das ‚Alter‘ hat einen Vorteil. Mit zunehmendem selbem pendele ich mich nämlich ganz unmerklich, dennoch umso entspannter zwischen Pre und Pro ein.

Aussitzen kann ich schon relativ gut.

Und: Gegenüber einer kleinen Minderheit von Menschen bin ich schon so was von Pro! Da ziehe ich die Schultern hoch und denke ‚Phh.‘

Du ahnst es schon: Der Text enthält so manches Augenzwinkern, was meine Prekrastination angeht, aber in jeder Übertreibung steckt bekanntlich viel Wahrheit.

Das Beitragsbild habe ich mit der AI von Canva angefertigt. Trotz x-facher Prompts wurde die Rechtschreibung nicht besser. Schlussendlich hab’ ich es übernommen und mich damit abgefunden.

Und du? Pre oder Pro?

Schreib es gern in die Kommentare.


Wer schreibt hier?

Ich bin Ulrike, Wahlwienerin mit deutschem Migrationsvordergrund und auf dem Weg in meinen schönsten Lebensabschnitt bzw. schon mittendrin. Als Bloggerin, Texterin, Copywriterin, Korrekturleserin, Community-Managerin und Hobby-Fotografin reise ich gerne – gerade erst nach Indien – , bin aber genauso gerne auch daheim, wo ich es mir immer recht gemütlich mache und mein Leben genieße.